Lust und Begierde

Lust und Begierde

Lust und Begierde. In meiner tantrischen Praxis zeigt das Wort „Lust“ auf etwas anderes als Begierde.

Der Weg des Tantra ist der Weg der Akzeptanz.

Anerkenne das was ist! Wenn du begehrst, dann begehre, aber sei nicht deine Begierde! Sei dir dem Gegenstand deiner

Begierde bewusst, und was du in diesem Impuls tust! Begegne deiner Begierde mit Bewusstsein! Du bist in der Mitte davon und gleichzeitig bist du fähig sie zu beobachten. Nicht als eine Analyse, nicht als etwas, dass du berechnen musst. Versuche nicht sie zu bekämpfen, weil dein Kampf dich noch stärker an das bindet was du bekämpfen willst. Enthält unsere Begierde ein „gerichtet sein“ in sich selbst? Suchen wir was bestimmtes für uns? Ich will dich oder der Gegenstand für meine Sehnsucht zu meiner eigenen Zufriedenstellung benutzen. Wird die Begierde nicht von einer Geschichte, Phantasie, Vorstellung um etwas zu erreichen genährt. Etwas bekommen, jemand sein oder etwas werden?

In unserer Sexualität kann solche Geschichten eine gewaltsame Kraft bekommen. Wir machen uns selbst zum Zentrum der Erzählung und darin werden unsere Partner als Statisten für Rollenspiele benutzt. Jede Begierde holen wir aus unserer Erfahrung heraus. Wir können glauben, dass unsere Phantasie von etwas handelt das nicht passiert ist und was vielleicht auch nicht passieren darf. Alle Elemente diese Phantasie zu schöpfen kommen aus der Vergangenheit, aus deinen Erfahrungen und aus dem was du gelernt hast. Die Begierde ist konditioniert und automatisiert uns bis wir von derselben Geschichte ermüden oder erleben das sie erfüllt werden und wir deswegen eine neue Phantasie erfinden müssen um den Rausch noch mal zu erleben. In dieser Art und Weise nimmt die Begierde unsere Freiheit weg und macht uns blind. Wir werden gefangen von unserem eigenen streben. Es ist wie ein Schauspieler in einem Drama ohne das in der Rolle beschrieben ist, wie sein/ihr Schauspiel endet, so muss er ewig spielen.

Lust auf Kommando haben?

Wir können nicht auf Kommando „Lust haben“ oder nach Aufforderung „frei sein“. Das „Freie“ knüpft sich an das spontane, an das was nicht durch eine Streben oder „gedachtes wollen“ entsteht. Wenn wir nach Lust streben ist sie schon durch unsere Sehnsucht unmöglich gemacht.

Lust, Freiheit, Liebe und Bewusstsein entsteht jenseits jedem Gedanken und erst dadurch wenn wir unsere Idee davon loslassen. Selbst die Idee des „Loslassens“ sollen wir loslassen…..

Es klingt fast wie eine unmögliche Sache…..nicht? Ja, wenn Du es mit deinem Kopf verstehen willst wird es unmöglich, weil deine Gedanken schaffen es nur Geschichten, Bilder und Symbole zu produzieren, die was anderes repräsentieren als sie selbst sind.

Ein Bild ist nicht das was es darstellt. Deine Vorstellung von Lust ist nicht Lust. Unsere Gedanken sind nicht schädlich oder unerwünscht. Ich liebe Gedanken und gute Geschichten. Sie funktionieren sehr gut , wenn wir Brücken bauen, Gedichte und Artikel schreiben, Mathe machen, philosophieren, im EDEKA bezahlen… usw.. Sie wirkendadurch, dass sie beschreiben.

Alles in dir selbst anerkennen

Verständnis dagegen kommt jenseits von Gedanken. Niemand hat Schokolade verstanden einzig und allein durch lesen oder schreiben. Es ist ganz und gar unmöglich. Schokolade muss man schmecken, um sie zu verstehen und selbst wenn du sie geschmeckt hast ist es unmöglich sie so zu beschreiben, so dass andere durch das Lesen denselben Geschmack im Mund spüren. Des wegen ist das zentralste Thema im Tantra : Alles in dir selbst anzuerkennen. Mit anerkennen meine ich nicht beurteilen, analysieren, werten, sondern sehen, hören und spüren. Das was du beurteilst kannst du nicht anerkennen.
Lob und Kritik haben absolut nichts mit Anerkennung zu tun! Willst du einen Menschen anerkennen (z.B. dich selbst), dann zeige, dass Du ihn/sie siehst ohne jeglichen Bedarf darüber das zu kommentieren, ob das was du siehst gut oder schlecht ist. Wenn ich darüber rede sich selbst zu beobachten in allem was wir tun, dreht es sich nicht darum unser Gehirn in ein höheres Getriebe zu schalten, sondern darum wahrnehmen, dass du wahrnimmst; wahrnehmen, wenn du wütend, traurig, geil ……usw. bist. Das kannst du nur wahrnehmen, wenn du voll in diese Gefühle gehst.

Kann ich überhaupt frei sein, wenn mein Verständnis von der Welt von bestimmten Benennungen und Kategorisierungen bedingt wird? Kann Liebe dort leben? Wird nicht die kleinste Bedingtheit jede Liebe ersticken? Kann unser Lust „zu viel“ oder „zu wenig“ sein? Macht es Sinn sich selbst und andere darum zu kritisieren, das sie zu viel atmen? Oder dafür, dass ihr Pulsschlag zu schnell ist? Muss ich kritisiert werden, wenn ich hungrig bin?

Lust funktioniert wie unserer Natürlichkeit wie “zu Sein”.

Wir können vielleicht den Kontakt zu unserer Lust verlieren? Und es passiert, wenn wir in Gedanken, Forderungen und Wünschen ertrinken oder ihr eine Richtung geben. Da, wo Begierde fokussiert ist, funktioniert unsere Lust jenseits einer Richtung. Es ist wie der Unterschied zwischen „fokussiert sein“ und „aufmerksam sein“.

Erlebst du, dass du Lust auf „jemand“ oder „etwas“ hast und triffst du nicht genau da deine Begierde?

Die Arbeit mit Tantra, so wie sie in unseren Gruppen, Retreats und unsere Massageausbildung vorkommt, kann für dich einen Raum eröffnen indem du deine Lust untersuchen kannst und dazu Kontakt bekommen.

So wie Bewusstsein Freiheit ist, ist Liebe und Lust es auch.