Lehrer und Schüler im Tantra

Lehrer und Schüler im Tantra

Gibt es Lehrer und Schüler im Tantra ?

Neulich habe ich erlebt, dass ein früherer Teilnehmer aus unseren Abendgruppen im Mahamudrainstitut gemeint hat, dass ich als Lehrer eine Verantwortung dafür habe , was die Teilnehmer erleben oder mit sich nach Hause nehmen.

Das passierte, obwohl ich wieder und wieder darauf hinweise, dass jeder aufmerksam auf sich selbst sein soll, Zu -und Absagen soll, nicht ein Wort von dem was ich sage glauben soll, und jeder dazu eingeladen wird uns mit uns zu wundern ohne jegliche Forderung der Teilnahme in den Übungen

Ich habe viele Jahre Seminare geleitet, in denen die Arbeit mit Körper und Kopf viel Platz für die Teilnehmer eingenommen hat. Es sind viele 1000 Teilnehmer geworden. Meine Führung sehe ich darin einen Rahmen zu setzen und dazu einzuladen, dass jeder selbst auf Entdeckungsreise in den eigenen Körper, seiner Sinne und Gedanken geht . Ich glaube nicht an Wahrheiten und sehe das Fragen stellen und das Wundern als eine treibende Kraft.

Das ich zwischendurch zum „Lehrer“ gemacht werde und mir eine Verantwortung gegeben wird, als derjenige der das „Richtige“ weiß, habe ich fast als unumgänglich erfahren und das schöpft natürlich ein wundern in mir.

Vielleicht hast du Lust dazu mit mir zu erforschen was passiert, wenn ich jemanden zum Lehrer machen will oder sogar zum Guru? (Und wenn nicht, dann lese nicht weiter)

Um diese Frage zu verstehen muss ich erst anschauen was eine „Beziehung“ ausdrückt. Mit „Beziehungen“ meine ich zum Beispiel Freundschaften, Liebespaar, Ehepaar, Freundinnen, Mitarbeiter/Arbeitgeber, Lehrer/Schüler. Ist es nicht so, dass wenn wir die Interaktion, die wir miteinander beschrieben haben und als Zuhörender in einer bestimmten „Beziehung“ stehen, dass dann auch an diese Beziehung bestimmte Erwartungen und Normen geknüpft sind?

“So verhält man sich nicht, wenn man eine „Freundin“ ist.“ Das ist eine Aussage, die ich regelmäßig höre. In der Beziehung ist mit anderen Worten eine moralische Regel verborgen. Es bedingt, dass etwas passiert oder etwas erwartet wird was passieren soll, zwischen denen, die sich miteinander beziehen? Eine Erwartung die typisch unbewusst funktioniert. Ein „Freundespaar“ von gegensätzlichem Geschlecht oder vom gleichen Geschlecht würden sich wahrscheinlich keinen Zungenkuss geben?

Wenn ich mit anderen Worten, dass was ich mit anderen Menschen in bestimmte Kästchen und Benennungen einordne……..als bestimmte „Beziehungen“; kann ich dann frei sein in der Art und Weise wie ich mich beziehe, oder ist das woran ich wieder und wieder meine Interaktion bemesse, diese Norm die von der Beziehung ausgedrückt wird? Eine Norm die nicht notwendigerweise statisch ist aber sehr wohl auch verändert wird durch unsere Erzählungen oder „Erfahrungen“ miteinander?

Können wir uns in Freiheit begegnen?

Wenn bloß der eine von den Zweien, die sich begegnen, die Begegnung in so ein Kästchen“ kategorisiert“, ist es dann möglich sich in Freiheit zu begegnen?

Kann dann Kontakt zur Liebe da sein?

Es reicht, wenn nur einer kategorisiert, dass diese Spannung in der gemeinsamen Interaktion entsteht. Denk zum Beispiel daran wie groß ein Konfliktpotenzial zwischen zwei sein kann, in der Eine sich als tief verliebt sieht und der andere es nur gemütlich haben will.

Liegt dann in dem Wunsch eine bestimmte Beziehung haben zu wollen eine Forderung?

Entweder starre Ansprüche oder Ambitionen und Ziele? Und wird dieses Streben nicht am Ende Leiden verursachen? Der Wunsch jemand oder etwas werden zu wollen nicht nur für sich selbst, sondern auch für den anderen, kann groß wachsen und wird durch die Form und die Bedeutung, dass der Beziehung gegeben wird genährt.

Mich zum „Lehrer“ zu machen muss bedeuten, dass die vorher genannten Teilnehmer sich selbst zum „Schüler“ machen. Zu dieser Lehrer Beziehung gehören viele Geschichten. Wenn wir im Tantra Sexualität, Lust und Liebe erforschen wollen, können vielleicht die geltenden Normen und Regeln insbesondere bezgl. Lehrer/Schüler Beziehungen selbstverständlich zu einem wesentliche Problem werden?

Gibt es einen Unterschied zwischen dem sich zum Lehrer zu machen oder gemacht zu werden oder sich zum Behandelnden zu machen oder gemacht zu werden? Beides muss Begegnung bedingen?

Was bedeutet „Verantwortung?

Woher kommt die Verantwortung? Wer hat Verantwortung für was? Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten finde ich.

Um das zu verstehen, muss ich kurz erforschen was „Verantwortung“ bedeutet. Kann ich mir Verantwortung nehmen, wenn ich in der Pflicht stehe? Also, wenn jemand ein bestimmtes Verhalten von mir verlangt? Oder ist Verantwortung nicht genau damit gekennzeichnet, dass ich in der vollkommenen Freiheit handle?

Verantwortlich handeln heißt deswegen jenseits Bedingung oder Konditionierung zu handeln, d.h. in meiner Beschreibung wahrnehmend und aufmerksam. Dass ich das was ich tue „verantworten“ kann während ich es tue. Nein und Ja sagen kann klar und deutlich.

Das erzeugt für mich ein Dilemma. Kann ich Ja dazu sagen mich zusammen mit Menschen zu wundern, wenn sie darüber Zweifel ausdrücken, inwieweit sie selbst fähig sind mit diesem klaren Ja oder Nein umzugehen? Ist es überhaupt möglich für mich dafür Verantwortung zu nehmen, dass jemand das Gefühl hat er oder sie fühlt seine Grenzen überschritten?

…..Und wenn ein Mensch kommt Um dieses klare Ja und Nein in sich selbst zu erforschen

würde das dann bedeuten, dass ich versuche alleine dadurch, dass ich er/ sie dazu einlade, das Unmögliche zu schaffen?

Eine Flucht?

Ist indem eine Flucht verborgen, dass ich mich zum Schüler mache? D.h. Jemand als „Lehrer“ sehen zu wollen?

Eine Flucht davor selbst verantwortlich handeln zu müssen? Etwas das wohl nicht anders ist wie bei jeder anderen Beziehung auch, die wir schöpfen? Die Beziehung lädt uns zur Pflicht ein und damit zur bedingenden Moral. Wo es Pflicht gibt entsteht auch Schuld.

Was ich will ist Menschen einzuladen, die sich zusammen mit mir wundern wollen. Das muss in Freiheit passieren, dh. jenseits jeder Beziehung. Wir beziehen uns miteinander ohne das was wir tun zu einer Beziehung zu machen. Ist das möglich? Ja ist es wohl, wenn wir uns beobachten jedes Mal wenn Beziehung passiert? Unser Intellekt liebt diese Beziehungen und wird sie wieder und wieder suchen. Das ist auch die Quelle für Eifersucht, Enttäuschung, Wut, Sehnsucht, Hoffnung etc. Das Intellekt funktioniert wie es funktioniert. Es ist ein herrlicher Diener, der es unter anderem für mich ermöglicht, dies hier zu schreiben – und ich bin nicht mein Intellekt. Das ist das ganze Wesen der Meditation – das ist die tantrische Einladung : zu verstehen, nicht durch Erfahrung sondern dadurch, dass wir erfahren.

Ganz und gar in der Begegnung sein

Wenn wir uns begegnen ohne uns zu „Jemand“ gemacht zu haben, dann ist es auch möglich klar und ganz in der Begegnung zu sein. Du kannst Nein und Ja sagen, ich kann Nein und Ja sagen.

Die meisten Schüler oder Kursteilnehmer zu allen möglichen Veranstaltungen erwarten, dass sie abspringen können ohne Warnung und mit gutem Recht. Die wenigsten sind es gewöhnt, dass das auch für mich gilt. Ich kann genauso Nein dazu sagen, dass du länger teilnimmst. Das ist dazu notwendig, dass wir uns begegnen können.

Willst du dich mit mir treffen? Dann komm als Mensch ohne jegliche Ambition entweder einig oder nicht einig mit mir zu sein. Wenn du damit beschäftigt bist, ob einig oder nicht einig , wird es dann nicht dazu, dass du eine Wahrheit suchst? …..Dass etwas „richtig“ ist ….und wenn es etwas gib das „wahr„ ist kann diese Wahrheit im gegebenen Fall in einer Erzählung liegen – also in Wörter?

Komm, wenn du dich mit mir wundern willst.

Es funktioniert so, wie sich ohne Geschichte zu beziehen. Wir können es beide wollen und wir treffen uns in Freiheit und damit in Verantwortung dafür, was jeder von uns tut wenn er das tut. Sag nicht zu mir nach einem oder 14 Tagen: „da habe ich was gemacht was meine Grenzen überschritten hat und das war weil du es gesagt hast“.

Liebe kann nicht lauwarm sein: „Jetzt sehe ich erst mal was ich benutzen kann.“ Sie muss total sein. Hier liegt keine Garantie von Geborgenheit oder Sicherheit. Wir beziehen uns genauso lange wie wir beide es wollen oder bis nur einer von uns nicht mehr will und nein sagt.

Ein Nein das nicht mit einer Geschichte begründet werden muss, die wohl nur wieder bedingen würde?

Es gibt nichts was jeder von uns machen kann „um uns fest zu halten“. So funktioniert es sich zu beziehen ohne in eine Beziehung zu gehen? Wenn ich dich fest halten will müsste es bedeuten, dass ich deine Freiheit nehmen will und umgekehrt?